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Ausgewählter Beitrag
Flugloch der Seele ...
Fenster galten als Guckloch der Seele. Deshalb war es früher in vielen Regionen Brauch, die Fensterflügel unmittelbar nach dem Tod eines Menschen zu öffnen, damit die Seele entweichen konnte. Wenn das Fenster geschlossen bliebe, würde der Tote keine Ruhe finden, hieß es. So behaupteten abergläubische Menschen, die Seele würde dann als rauchige Wolke im Zimmer sichtbar werden oder sich gewaltsam einen Ausgang suchen - und Scheiben klirren und zerspringen lassen. Allerdings sollte man das Fenster auch nicht zu lange auflassen: Sonst würde die Seele zurückkommen hieß es.
Das Fenster galt generell als bevorzugter Aufenthaltsort der Seelen von Verstorbenen. Deshalb legten die Menschen weiße Tücher aufs Fensterbrett, damit sich die Geister dort niederlassen konnten. In den Rauhnächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, wenn die überirdischen Wesen besonders aktiv sein sollen, stellte man ihnen Speiseopfer ans Fenster. Den eigenen Kopf indes sollte in Zeiten in denen Geister umgingen, lieber niemand zum Fenster hinausstrecken. Sonst lief er, laut Volksglauben, Gefahr, verrückt zu werden. Überhaupt konnte der BLick durch die Scheibe unter bestimmten Umständen gefährlich sein. Vor allem Wöchnerinnen sollten sich diesbezüglich zurückhalten, um ihre Kinder nicht zu gefährden.
Da Fenster laut Aberglauben Geister anzogen, galten sie aber auch als guter Ort für magische Handlungen. So wurde in einigen Regionen an Heiligabend ein Fenster geöffnet, damit die Luft der Weihnachtsnacht ins Haus kam und die Bewohner vor ansteckenden Krankheiten bewahrte. Im Erzgebirge wurden beim Silvesterläuten die Läden geöffnet, um das neue Jahr hineinzulassen, dann tranken alle Familienmitglieder aus einem Glas und warfen es anschließend zum Fenster hinaus. Und an Karneval putzten abergläubische Menschen die Scheiben, um für die warme Jahreszeit vor Fliegenplagen geschützt zu sein. Wenn Frauen durch das Fenster auf den Neumond blickten, zerbrachen sie anschließend angeblich viel Geschirr. Und in Böhmen gingen die jungen Mädchen am Heiligen Abend an fremden Fenstern horchen. Wenn sie dann als erstes Wort ein "Ja" hörten, hieß das, sie würden bald heiraten.
KStAn ela
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Emmy








Das ist aber ganz schön gruselig. Ich dachte immer, dass die Seelen auch durch Wände gehen können.
vom 04.12.2008, 21.23