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Ausgewählter Beitrag
Wenn abergläubische ...
Zeitgenossen früher einen neuen Hund, eine Gans oder ein anderes Haustier gekauft hatten, führten sie es zunächst dreimal um ein Tischbein oder ihr eigenes rechtes Bein herum. Die drehende Bewegung sollte auf magische Weise dafür sorgen, daß sich das Tier an das neue Zuhause gewöhnte und nicht weglief. Zu diesem Zweck konnte man es auch mit in die Wohnstube nehmen und sich selbst dort dreimal vor dem Spiegel drehen.
Drehungen - von Personen ebenso wie von Gegenständen - kommen in vielen abergläubischen Handlungen vor. So stellten sich junge Männer auf Brautschau in der Andreasnacht (30. November) in die Türschwelle, legten sich ein Geldstück unter den nackten Fuß und drehten sich darauf um. Es hieß, in dieser Nacht würden sie dann von ihrer künftigen Liebsten träumen. Ein anderer Brauch forderte von Hebammen und jungen Müttern, neugeborene Kinder direkt nach der Taufe vorsichtig zu drehen. Dieses Ritual sollte den Säugling vor künftigen Gefahren und Krankheiten schützen. Falls ein Kind dennoch krank wurde, half es angeblich, wenn der Pate seine Wiege drehte - und dabei unbedingt schwieg.
Die Vorstellung, eine Drehung führe eine Wendung des Schicksals herbei, taucht auch in anderen Situationen auf. So wurde Kartenspielern, die ein schlechtes Blatt hatten, geraten, ihren Stuhl umzudrehen. Man sagte, nach Angst machenden Geschehnissen sollte man sich selbst umdrehen. Dadurch könne man das drohende Unglück noch buchstäblich abwenden. Wer indes ein Bierglas umgedreht auf den Tisch der Wirtsstube stellte, beschwor einen Sreit herauf - zumindest mit abergläubischen Trinkbrüdern, die das als schlechtes Vorzeichen ansahen. Als gefährlich galt es auch, an bestimmten Feiertagen Tätigkeiten auszuführen, die mit einer Drehbewegung verbunden waren - zum Beispiel das Spinnen. Es hieß, dann würde das Spinnrad zerbrechen oder Motten kämen in das Garn.
Es existiert übrigens auch eine Reihe von Sagen, in denen sich Bäume, Felsblöcke oder ganze Berge von selbst drehen können. Die Ursprünge solcher Vorstellungen stammen wahrscheinlich aus einer Zeit, in der sich die Menschen Bäume und Berge noch als beseelte Wesen vorstellten.
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Emmy







